Heute waren wir bei einer Stolperstein Verlegung im Falkenbergsweg 62.
Stolpersteine, sind Steine die eine Messingplatte oben auf haben. Auf dieser steht ein Name, ein Wohnort und mehrere Daten.
Es sind aber nicht irgendwelche, sondern Namen, von Menschen die aus Deutschland vertrieben wurden und sterben mussten zur NS Zeit. Auf diesem Stolperstein steht, was diesem Menschen passiert ist, wo er seinen letzten frei gewählten Wohnort hatte und wann er wo gestorben ist.
Ich finde, dass es eine sehr schöne Idee ist! Man hat nicht nur eine Zahl, nach dem Motto "Millionen Menschen sind dabei gestorben." So kann man sich kaum vorstellen wie schlimm es ist. Mit einem Namen aber, kann man viel mehr anfangen, ich bekomme aufeinmal ein Familienbild in meinen Kopf. Hatte diese Person Kinder? Hatte sie viele Verwandte? Wo hat sie gearbeitet? Wo hat sie gelebt? War sie vorher glücklich? Und aufeinmal stelle ich fest, wie schrecklich es ist.
Heute war der Stolperstein von Frau Elisabeth Polach an der Reihe.
Von der Stadtteil Schule Fischbeck Falkenberg waren Anna Prib, Jacquelin, Fabian, Lisa, Herr Rogalinski und ich da (Das war für Herrn G. damit das auch erwähnt wurde-.-).
Die Tochter von Frau Polach, Edtih, ist aus Israel gekommen, um dabei zu sein.
Sie hielt eine, für mich, sehr ergreifende Rede über ihre Mutter.
Lisel Polach war die Frau eines Richters und hatte eine Tochter, Edith. Sie war ein froher Mensch, liebte die Natur, wie ihr Mann, war sehr schlau, konnte mehrere Fremdsprachen und spielte sehr schön Klavier.
Lisel und Dita lebten beide im Gettho Theresienstadt bei Prag. Dort lebten sie mit 18 Frauen in einem Zimmer ohne Betten. Es gab viel Streit, doch Lisel versuchte immer ruhig zu bleiben. Sie hatten es auch geschafft das Konzentrationslager Auschwitz zu überleben. Und dort zeigte Lisel eine unglaubliche Courage! Die Menschen dort wurden selektiert nach "brauchbar, unbrauchbar". Dita war vor hr drann und wurde auf die eine Seite geschickt, keiner wusste wohin er wirklich gehörte. Lisel wurde auf die andere Seite geschickt. Sie entfernte sich langsam von der Gruppe und ging weiter an das Ende der wartenden Frauen. Dann stellte sie sich zwischen zwei ältere und schwächere Damen. Sie konnte am Ende doch noch zu ihrer Tochter.
Es ging weiter in den Hamburger Hafen, doch nach wenigen Wochen wurden sie ins KZ-Außenlager Neugraben gebracht. Dies war eine sehr schlimme Zeit, sie mussten 12 Stunden am Tag arbeiten und hatten nichts, nichts zu Essen, nichts zum Anziehen, nichts zur Krankenversorgung...
Am 8. Februar 1945 kamen sie zu dem KZ-Außenlager Hamburg-Tiefstack, zwei Monate später ging es nach Bergen-Belsen. Eine Woche später kamen die britischen Truppen und setzten sofort eine beispielhafte Hilfsaktion für die Überlebenden in Gange. Doch für Lisel war es zu spät, sie war zu krank und zu schwach um sich zu erholen. Dita und die Ärzte konnten ihr nicht mehr helfen. Lisel starb am 29. Juni 1945 im Altern von 42 Jahren gestorben. Sie bekam ein Grab ohne Namen.
Edith Kraus erzählte dies wunderbar! Ich war wirklich sehr gerührt von dem Leben Lisels.
Was mich ein wenig ärgerte war, dass sehr viele von irgendwelchen Zeitungen da waren. Die ganze Zeit wurde geknipst und gesagt "Können sie uns nochmal angucken?" "Schauen sie mal dahin.", obwohl es doch in diesem Moment und Lisel ging und nicht um die Zeitung. Vorallem nicht, wenn man gerade den Stein gelegt hat und einen Moment sich ruhig an den Menschen erinnern möchte.
Für mich eine unglaubliche Erfahrung. Ich hätte zuerst nicht gedacht, dass es mich doch so sehr bewegt und berührt. Diese Stolpersteine finde ich wunderbar. Sie geben den Zahlen Gesichter.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen